Wichtige Punkte
- Ein EKG zeichnet die elektrische Aktivität des Herzens auf und macht Herzfrequenz, Rhythmus und Erregungsleitung sichtbar.
- Es wird häufig bei Beschwerden wie Brustschmerzen, Herzstolpern oder Herzrasen, Schwindel, Ohnmacht und Atemnot eingesetzt.
- Ein EKG kann Hinweise auf Herzrhythmusstörungen, eine verminderte Durchblutung, zurückliegende Herzschäden oder bestimmte Elektrolytstörungen geben.
- Ein unauffälliges EKG schließt weder intermittierende Rhythmusstörungen noch jede Form von Herzerkrankung aus.
- Weitere Untersuchungen können nötig sein, um die Herzstruktur, Klappenfunktion oder Beschwerden zu beurteilen, die das EKG nicht erfasst.
Das Elektrokardiogramm, meist kurz EKG genannt, ist eine schnelle und einfache Untersuchung zur Aufzeichnung der elektrischen Aktivität des Herzens. Sie zeigt, ob das Herz zu schnell, zu langsam, unregelmäßig oder unter Belastung schlägt. Das EKG kommt häufig zum Einsatz, wenn Beschwerden wie Brustschmerzen, Herzklopfen, Schwindel, Ohnmacht oder Atemnot abgeklärt werden müssen. Einen allgemeinen Überblick über häufige Diagnoseverfahren finden Sie unter Untersuchungen und Behandlungen für Patienten erklärt.
Für viele Patienten und Patientinnen sind vor allem drei Fragen wichtig: Was zeigt ein EKG?, wann wird es sinnvoll eingesetzt und was kann es übersehen? Dieser Artikel erklärt, was bei der Untersuchung gemessen wird, warum Ärzte und Ärztinnen ein EKG veranlassen, was die Ergebnisse über Herzrhythmus und Herzfunktion aussagen können und wo die Grenzen eines Standard-EKGs liegen.
Was ein EKG bei der Herztätigkeit misst
Ein EKG erfasst die elektrischen Signale, die bei jedem Herzschlag durch das Herz laufen. Dazu werden Klebeelektroden auf der Haut angebracht – üblicherweise am Brustkorb, an den Armen und Beinen. Diese Elektroden geben keinen Strom in den Körper ab. Sie erfassen die körpereigene elektrische Aktivität des Herzens und stellen sie grafisch dar.
Jeder Abschnitt der Aufzeichnung entspricht einer anderen Phase des Herzschlagzyklus. Vereinfacht gesagt kann ein EKG zeigen:
- wie schnell das Herz schlägt
- ob der Herzrhythmus regelmäßig oder unregelmäßig ist
- wie die elektrischen Signale durch Vorhöfe und Herzkammern geleitet werden
- ob Anzeichen einer Belastung oder Schädigung des Herzmuskels vorliegen
- ob möglicherweise bestimmte Herzabschnitte vergrößert sind
Was die EKG-Kurve darstellt
Die Aufzeichnung besteht aus charakteristischen Wellen und Zeitabschnitten. Ärzte und Ärztinnen beurteilen dabei das Gesamtmuster und nicht einzelne Messwerte isoliert. Beispiele:
- die P-Welle zeigt die elektrische Erregung der Vorhöfe
- der QRS-Komplex zeigt die elektrische Erregung der Herzkammern
- die T-Welle zeigt die Erholung der Herzkammern nach jedem Schlag
Veränderungen in diesen Abschnitten können auf Rhythmusstörungen, Leitungsverzögerungen, Elektrolytstörungen oder eine verminderte Durchblutung des Herzmuskels hindeuten. Die Interpretation hängt immer vom klinischen Gesamtbild ab – einschließlich Alter, Beschwerden, Medikamenteneinnahme und früheren EKGs zum Vergleich.
Wie die Untersuchung für Patienten und Patientinnen abläuft
Ein Standard-Ruhe-EKG ist schmerzlos und dauert nur wenige Minuten. Während der Aufzeichnung liegt man ruhig. Nadeln, Beruhigungsmittel oder Erholungszeiten sind nicht erforderlich. Vor der Messung kann die Haut je nach Bedarf gereinigt oder kleine Haarbereiche entfernt werden, damit die Elektroden optimal haften.
Wann Ärzte und Ärztinnen ein EKG empfehlen
Ein EKG kann sinnvoll sein, wenn herzbedingte Beschwerden vorliegen, eine bekannte Herzerkrankung überwacht werden soll oder vor bestimmten Behandlungen und Eingriffen eine Kontrolle erforderlich ist. Der Grund für die Untersuchung beeinflusst wesentlich, wie aussagekräftig die Ergebnisse sind und ob zusätzliche Tests nötig sein können.
Häufige Beschwerden, die zu einem EKG führen
Ein EKG wird oft früh bei der Abklärung eingesetzt, wenn Patienten und Patientinnen folgende Beschwerden berichten:
- Brustschmerzen oder Engegefühl in der Brust
- Herzklopfen, Herzstolpern oder Herzrasen
- Schwindel oder Benommenheit
- Ohnmacht oder ein Ohnmachtsgefühl
- Atemnot
- ungeklärte Müdigkeit, besonders wenn sie plötzlich auftritt oder sich unter Belastung verschlimmert
Bei plötzlich auftretenden Brustschmerzen beispielsweise kann ein EKG zeigen, ob die Durchblutung des Herzmuskels vermindert ist. Berichten Patienten von kurzen Phasen mit Herzrasen, kann das EKG eine zugrunde liegende Rhythmusstörung enthüllen – vorausgesetzt, sie tritt während der Aufzeichnung auf.
Überwachung bekannter oder vermuteter Herzprobleme
Das EKG findet auch Anwendung bei Patienten mit bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder bei Verdacht auf ein strukturelles oder elektrisches Herzproblem:
- bekannte Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern
- zurückliegender Herzinfarkt
- Angina pectoris oder Verdacht auf koronare Herzkrankheit
- Herzinsuffizienz
- Kontrolluntersuchungen bei Herzschrittmacher
- Nachkontrollen nach kardiologischen Eingriffen
Vor Medikamenten, Operationen oder anderen Behandlungen
Manche Medikamente können den Herzrhythmus oder die elektrische Erregungsleitung beeinflussen. Daher wird mitunter vor Therapiebeginn oder im Verlauf ein EKG durchgeführt – besonders bei einigen Antiarrhythmika, bestimmten Psychopharmaka und Therapien, die das QT-Intervall verlängern können. Wenn Sie wissen möchten, was bei einer Routineuntersuchung typischerweise überprüft wird, finden Sie in unserer Übersicht zu den Bestandteilen einer routinemäßigen Gesundheitsuntersuchung weitere praktische Informationen.
Auch vor einem operativen Eingriff oder im Rahmen einer Notfallabklärung kann ein EKG veranlasst werden, wenn ein kardiovaskuläres Risiko besteht. Ob dies notwendig ist, hängt jedoch von Alter, Beschwerden, Krankengeschichte und Art des geplanten Eingriffs ab.
Was EKG-Befunde über den Herzrhythmus aussagen können
Ein wichtiger Einsatzbereich des EKGs ist die Beurteilung des Herzrhythmus. Es zeigt, ob der Herzschlag im natürlichen Schrittmacherzentrum des Herzens entsteht und ob sich das elektrische Signal regelgerecht durch das Reizleitungssystem ausbreitet.
Rhythmusstörungen, die ein EKG erkennen kann
Ein Standard-EKG kann zahlreiche Rhythmusstörungen erfassen, darunter:
- Vorhofflimmern mit unregelmäßigem und häufig schnellem Rhythmus
- Vorhofflattern, ein geordneterer, aber pathologischer Vorhofrhythmus
- supraventrikuläre Tachykardie, ein schneller Rhythmus aus der Vorhofregion
- Bradykardie mit zu langsamer Herzfrequenz
- ventrikuläre Tachykardie, ein potenziell ernsthafter schneller Rhythmus aus den Herzkammern
- Extraschläge, also vorzeitige Vorhof- oder Kammerkontraktionen
Auch Erregungsleitungsstörungen wie ein atrioventrikulärer Block oder Schenkelblock lassen sich erkennen. Solche Befunde helfen oft, Beschwerden wie Ohnmacht, Schwäche oder Herzklopfen zu erklären.
Weitere Hinweise, die ein EKG gibt
Neben dem Herzrhythmus kann ein EKG auch Hinweise liefern auf:
- mögliche Durchblutungsstörungen des Herzmuskels
- Zeichen eines aktuellen oder zurückliegenden Herzinfarkts
- Auswirkungen von Kaliumstörungen oder anderen Elektrolytstörungen
- in manchen Fällen eine Herzbeutelentzündung (Perikarditis)
- Auswirkungen bestimmter Medikamente oder toxischer Einflüsse
Ein EKG wird allerdings selten isoliert bewertet. Üblicherweise werden auch die Beschwerden, körperliche Untersuchung, Blutuntersuchungen, bildgebende Verfahren und frühere EKGs berücksichtigt. Ein leicht auffälliges EKG kann für eine Person klinisch unbedeutend, für eine andere aber wichtig sein.
Warum ein normales EKG ein Rhythmusproblem nicht immer ausschließt
Viele Rhythmusstörungen treten nur zeitweise auf. Wenn der abnorme Rhythmus während der kurzen Aufzeichnung gerade nicht besteht, kann das EKG unauffällig wirken. Deshalb benötigen manche Patienten eine längere Überwachung – etwa mit einem 24-Stunden-Holter-EKG, einem Ereignisrekorder oder einem tragbaren Rhythmusmonitor.
Was ein EKG nicht erkennen kann
Das EKG ist wertvoll, bietet aber kein vollständiges Bild der Herzgesundheit. Es erfasst elektrische Muster, zeigt aber nicht die Herzstruktur, den Blutfluss oder die Klappenfunktion in ihrer Gesamtheit. Ein unauffälliges EKG bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass das Herz in jeder Hinsicht gesund ist.
Probleme, für die weitere Untersuchungen nötig sein können
Das EKG kann folgende Erkrankungen übersehen oder nur andeuten:
- intermittierende Herzrhythmusstörungen, die während der Untersuchung nicht auftreten
- frühe koronare Herzkrankheit ohne Veränderungen im Ruhe-EKG
- Klappenerkrankungen wie Aortenstenose oder Mitralklappeninsuffizienz
- Herzmuskelschwäche oder Pumpstörungen, die sich mit einer Echokardiographie besser beurteilen lassen
- strukturelle Besonderheiten wie bestimmte angeborene Herzfehler
So kann eine Person beispielsweise Brustbeschwerden aufgrund einer koronaren Herzkrankheit haben und zwischen den Episoden dennoch ein normales Ruhe-EKG zeigen. In solchen Fällen sind ein Belastungstest, Blutuntersuchungen, eine Koronar-CT oder weitere kardiologische Abklärung aussagekräftiger.
Was das EKG nicht direkt misst
Ein EKG zeigt nicht:
- wie effektiv das Herz Blut pumpt
- wie stark die Herzkranzgefäße verengt sind
- ob eine Herzklappe sich richtig öffnet und schließt
- die genaue Ursache von Brustschmerzen, Atemnot oder Kreislaufzusammenbruch
Deshalb ist das EKG meist nur ein Bestandteil einer umfassenderen diagnostischen Abklärung und nicht die abschließende Antwort.
Grenzen der EKG-Untersuchung
Die wichtigste Einschränkung eines Standard-EKGs ist, dass es nur einen sehr kurzen Augenblick erfasst. Bei dauerhaften Auffälligkeiten ist das sehr hilfreich, bei gelegentlichen Beschwerden jedoch deutlich weniger zuverlässig.
Wichtige praktische Einschränkungen
- Ein normales EKG schließt eine ernsthafte Erkrankung nicht aus. Manche Herzerkrankungen verursachen im Ruhe-EKG keine deutlichen Veränderungen.
- Auffällige Befunde sind nicht immer eindeutig. Dieselbe EKG-Veränderung kann mehrere mögliche Ursachen haben.
- Technische Faktoren können das Ergebnis beeinflussen. Die Elektrodenplatzierung, Bewegungsartefakte, schlechter Hautkontakt oder elektrische Störungen können die Aufzeichnung verändern.
- Manche Veränderungen sind altersabhängig oder harmlose Varianten. Nicht jede Auffälligkeit bedeutet eine Erkrankung.
Wann weitere Untersuchungen nötig sein können
Wenn Beschwerden trotz unauffälligen EKGs anhalten oder der Befund offene Fragen aufwirft, können Ärzte und Ärztinnen zusätzliche Untersuchungen empfehlen:
- ambulante EKG-Überwachung, etwa ein Holter-EKG
- Belastungs-EKG oder Belastungstest
- Echokardiographie
- Blutuntersuchungen, in dringlichen Situationen auch mit Bestimmung kardialer Marker
- Herz-CT oder andere bildgebende Verfahren je nach Fragestellung
In der Praxis ist das EKG am besten als schneller und zuverlässiger Erstlinientest zu verstehen. Es liefert wichtige Hinweise auf Herzrhythmus und mögliche Herzbelastung, seine Aussagekraft hängt aber vom Zeitpunkt der Untersuchung, den vorliegenden Beschwerden und dem gesamten klinischen Kontext ab.
