Es kann überraschend – und manchmal sogar beunruhigend – sein, wenn Sie feststellen, dass Sie Gewicht verloren haben, ohne es bewusst zu wollen. Während viele Menschen gezielt abnehmen möchten, ist ein unerklärlicher Gewichtsverlust – also wenn Sie Kilos verlieren, ohne Ihre Ernährungs- oder Bewegungsgewohnheiten zu ändern – gelegentlich ein Hinweis auf ein ernstzunehmendes Gesundheitsproblem. Zu wissen, wann dieses Symptom besorgniserregend ist, auf welche weiteren Anzeichen Sie achten sollten und wie Ärztinnen und Ärzte mit diesem Thema umgehen, hilft Ihnen dabei, die richtigen Schritte für Ihre Gesundheit zu unternehmen.
Unerklärlicher Gewichtsverlust
In diesem Artikel erfahren Sie, wann ein ungewollter, unerklärlicher Gewichtsverlust ärztlich abgeklärt werden sollte, welche möglichen Ursachen es gibt, auf welche Warnsignale Sie achten sollten und wie die medizinische Abklärung in der Regel abläuft.
Wann ist ein ungewollter, unerklärlicher Gewichtsverlust besorgniserregend?
Dass das Körpergewicht im Laufe des Lebens leicht schwankt, ist ganz normal – etwa bei Veränderungen im Tagesablauf oder in stressigen Zeiten. Problematisch wird es jedoch, wenn Sie innerhalb kurzer Zeit unbeabsichtigt deutlich an Gewicht verlieren.
- Als „deutlichen Gewichtsverlust“ gilt allgemein ein Verlust von mehr als 5 % des eigenen Körpergewichts innerhalb von 6 bis 12 Monaten – ohne bewusste Diät oder Änderung der Bewegung. Beispiel: Wer 70 kg wiegt, sollte ab einem ungewollten Verlust von 3,5 kg ärztlichen Rat einholen.
- Ob der Gewichtsverlust eher schleichend oder schnell auftritt, spielt weniger eine Rolle: Ist keine nachvollziehbare Ursache wie mehr Bewegung oder eine Ernährungsumstellung bekannt, sollte das immer ernst genommen werden.
Oft fällt es an lockerer sitzender Kleidung auf, manchmal erst auf der Waage. In jedem Fall sollten Sie aufmerksam werden, wenn Sie ohne Absicht Gewicht verlieren – besonders, wenn Sie älter sind oder bereits an einer anderen Erkrankung leiden.
Häufige Ursachen – von Lebensstil bis Erkrankungen
Ein ungewollter Gewichtsverlust kann viele Auslöser haben – von Alltagssituationen bis hin zu ernsthaften Krankheiten. Ein Überblick hilft Ihnen und Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, die Ursache einzugrenzen.
Lebensumstände und psychische Faktoren
- Stress oder Angst: Belastende Zeiten können Appetit und Verdauung beeinflussen – oft nimmt man dann ungewollt ab.
- Depression: Häufig verlieren Betroffene das Interesse am Essen und nehmen dadurch ab.
- Große Lebensveränderungen: Ob Verlust eines Menschen, Umzug oder Jobwechsel – solche Ereignisse können das Essverhalten beeinträchtigen.
Störungen von Verdauung und Nährstoffaufnahme
- Magen-Darm-Erkrankungen: Zum Beispiel Zöliakie, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder chronischer Durchfall stören die Aufnahme wichtiger Nährstoffe.
- Chronische Infektionen: Lang anhaltende Infektionen wie Tuberkulose oder parasitäre Erkrankungen können nachhaltigen Gewichtsverlust verursachen.
Medizinische Erkrankungen
- Schilddrüse: Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) arbeitet der Stoffwechsel schneller – Betroffene verlieren oft Gewicht.
- Diabetes: Besonders bei unentdecktem oder schlecht eingestelltem Diabetes kann ein Gewichtsverlust auftreten, weil Glukose über den Urin verloren geht.
- Krebs: Verschiedene Tumorerkrankungen verursachen oft – manchmal schon früh – einen deutlichen Gewichtsverlust.
- Herz- oder Lungenerkrankungen: Chronische Erkrankungen können Appetit mindern oder den Energiebedarf erhöhen.
- Nieren- oder Lebererkrankungen: Auch diese Erkrankungen wirken sich auf Appetit und Stoffwechsel aus.
Medikamente und Behandlungen
- Einige Arzneimittel – etwa gegen Krebs, Depressionen oder Schilddrüsenüberfunktion – können Appetitmangel oder eine schlechtere Nährstoffaufnahme verursachen.
- Chemotherapie und Bestrahlungen führen oft zu Übelkeit oder Appetitverlust.
Wichtig: In vielen Fällen ist ein ungewollter Gewichtsverlust nicht auf eine bedrohliche Erkrankung zurückzuführen – grundsätzlich sollte aber immer ärztlich abgeklärt werden, woran es liegen könnte.
Warnzeichen: Wann Sie bei Gewichtsverlust dringend zum Arzt sollten
Manche Begleitsymptome deuten darauf hin, dass Sie möglichst rasch einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen sollten. Zu den wichtigsten Warnzeichen gehören:
- Starke, anhaltende Bauchschmerzen
- Schwierigkeiten oder Schmerzen beim Schlucken
- Unerklärliches Fieber oder Nachtschweiß
- Chronischer Durchfall, Erbrechen oder Blut im Stuhl
- Schwellungen oder Knoten, die nicht verschwinden
- Länger andauernder Husten oder Heiserkeit
- Außergewöhnliche Müdigkeit oder Schwäche
- Verwirrtheit oder auffällige Veränderungen des Bewusstseins
- Mehrwöchige Appetitlosigkeit
Kombinationen dieser Anzeichen mit einem unerklärlichen Gewichtsverlust sollten Sie immer ärztlich abklären lassen – besonders bei älteren Menschen, da bereits geringe Gewichtsverluste zu Schwäche oder weiteren Komplikationen führen können.
Gut vorbereitet zum Arzt: Was Sie selbst tun können
Vor dem Arztbesuch können Sie einige Informationen zusammentragen, um die Diagnose zu erleichtern:
- Führen Sie ein Gewichtstagebuch: Notieren Sie aktuelle sowie frühere Gewichtsmessungen mit Datum. Halten Sie fest, wann der Gewichtsverlust begann.
- Symptome aufschreiben: Machen Sie sich Notizen zu allen Beschwerden, auch wenn sie scheinbar nicht zusammenhängen.
- Appetit-Veränderungen dokumentieren: Essen Sie weniger oder haben Sie gar kein Interesse mehr an Essen?
- Änderungen im Alltag festhalten: Gab es zuletzt besonderen Stress, Reisen oder einschneidende Erlebnisse?
- Aktuelle Medikamente/Präparate: Schreiben Sie alles auf, was Sie einnehmen, inklusive Nahrungsergänzungen und pflanzlicher Mittel.
- Familiengeschichte: Kommen in Ihrer Familie Erkrankungen wie Krebs, Schilddrüsenerkrankungen oder chronische Darmprobleme vor?
Diese Angaben helfen Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, rascher die Ursachen einzugrenzen und die nächsten Schritte festzulegen.
Wie läuft die medizinische Abklärung unerklärlichen Gewichtsverlusts ab?
Kommt es zu einem Arztbesuch wegen unklaren Gewichtsverlusts, wird zuerst sorgfältig nach Krankengeschichte und Symptomen gefragt und anschließend eine körperliche Untersuchung durchgeführt. Ziel ist es zu klären, ob Erkrankungen, der Lebensstil oder beides eine Rolle spielen.
Erster Eindruck und Basisuntersuchung
- Anamnese: Sie werden zu Ihren Symptomen, dem zeitlichen Verlauf, möglichem Stress und Appetitveränderungen befragt.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt sucht nach auffälligen Zeichen wie Knoten, geschwollenen Lymphknoten oder Infektionsanzeichen.
- Grundlegende Labortests: Blut-, Urin- und manchmal Stuhluntersuchungen helfen, häufige Ursachen wie Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes, Infektionen oder Blutarmut zu erkennen.
Weitere Untersuchungen
- Bildgebung: Je nach Verdacht sind Ultraschall, Röntgen oder CT sinnvoll – etwa um versteckte Tumoren, Infektionen oder Organprobleme auszuschließen.
- Überweisungen: Werden spezielle Erkrankungen vermutet, folgt die Überweisung zu Fachärzten (z. B. Gastroenterologie, Endokrinologie, Onkologie).
- Weitere Diagnostik: Bei Bedarf kann eine Endoskopie (Spiegelung des Verdauungstrakts) oder erweiterte Blutuntersuchungen nötig sein.
Die Ursachenfindung kann manchmal etwas Zeit in Anspruch nehmen, da manche Erkrankungen im Frühstadium schwer zu erkennen sind. Es kann also sein, dass Folgetermine vereinbart werden, um den Verlauf zu beobachten und gegebenenfalls nachzujustieren.
Lässt sich nach ausführlicher Untersuchung keine organische Ursache finden, sprechen Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt auch über Lebensstil und psychische Faktoren, die eine Rolle spielen könnten.
Da frühe Warnzeichen von Erkrankungen wie Darmkrebs mit unerklärlichem Gewichtsverlust einhergehen, informieren Sie sich gern auch über die frühen Symptome von Darmkrebs, die oft leicht übersehen werden.
Unerklärlicher Gewichtsverlust kann – vor allem, wenn er deutlich und anhaltend ist oder mit anderen Symptomen einhergeht – ein Hinweis auf gesundheitliche Probleme sein. Nehmen Sie diese Warnzeichen ernst und suchen Sie zeitnah ärztlichen Rat, wenn Sie ohne ersichtlichen Grund abnehmen, besonders wenn weitere Symptome hinzukommen.
Wenn Sie Ihr Gewicht, Ihre Symptome und Veränderungen im Alltag dokumentieren, helfen Sie dem Arzt/der Ärztin, die Ursache schneller zu finden und die geeignete Behandlung einzuleiten.
Denken Sie daran: Nicht hinter jeder unabsichtlichen Gewichtsabnahme steckt eine ernste Erkrankung – aber eine frühzeitige Untersuchung bringt Ihnen Sicherheit und ermöglicht, mögliche Probleme rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.
