Nackenschmerzen in Verbindung mit Kopfschmerzen sind für viele Menschen ein vertrautes Problem. In den meisten Fällen liegt die Ursache in Muskelverspannungen. Es ist jedoch vollkommen verständlich, sich zu fragen, ob sich hinter den Beschwerden nicht doch etwas Ernsthafteres verbergen könnte. Wenn Sie die möglichen Auslöser von Nackenschmerzen mit Kopfschmerzen kennen, Warnzeichen richtig deuten und wissen, wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten, können Sie selbstbewusst und gut informiert Entscheidungen für Ihre Gesundheit treffen.
In diesem Artikel erfahren Sie:
Häufige Ursachen für kopf- und nackenbedingte Schmerzen
Die gute Nachricht zuerst: In den meisten Fällen sind Nacken- und Kopfschmerzen harmlos und nicht auf gefährliche Erkrankungen zurückzuführen. Hier einige der häufigsten Auslöser:
- Muskelverspannungen und ungünstige Haltung: Langes Sitzen, häufiges Nutzen von Handy, Computer oder eine ungünstige Schlafposition führen oft zu verspannter Nackenmuskulatur. Daraus entstehen Spannungskopfschmerzen, die meist am Hinterkopf beginnen und nach vorne ziehen können.
- Zervikogener Kopfschmerz: Diese Kopfschmerzform entsteht durch körperliche Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule, etwa durch Verschleiß oder Bandscheibenprobleme. Häufig ist der Schmerz einseitig und wird durch bestimmte Bewegungen oder längeres Verharren in einer Position ausgelöst.
- Migräne: Migräneattacken gehen manchmal mit Nackenschmerzen einher, die bereits vor oder während des eigentlichen Kopfschmerzes auftreten. Diese Schmerzen sind oft pulsierend und können von Licht-, Geräusch- oder Geruchsempfindlichkeit begleitet sein.
- Schleudertrauma und Verletzungen: Nach einem Unfall oder Sturz können Verletzungen im Nackenbereich Schmerzen verursachen, die in den Kopf ausstrahlen. Auch kleinere Verletzungen können Kopfschmerzen hervorrufen, wenn Bänder, Muskeln oder Gelenke gereizt sind.
- Arthrose und altersbedingte Veränderungen: Verschleiß in der Halswirbelsäule, z. B. durch Arthrose (Osteoarthritis), verursacht häufig anhaltende Nackenschmerzen mit Kopfschmerzen.
Weitere, seltener auftretende Ursachen sind Infektionen, Entzündungen oder Schmerzen, die von Zähnen, Kiefergelenk oder den Nasennebenhöhlen ausstrahlen. In den meisten Fällen bessern sich die Beschwerden durch etwas Ruhe, sanfte Bewegung oder die Einnahme von frei verkäuflichen Schmerzmitteln.
Achtung: Warnzeichen für ernsthafte Ursachen
Die allermeisten Kopfschmerzen mit Nackenschmerzen sind harmlos. Es gibt jedoch einige Symptome, bei denen Sie unbedingt sofort einen Arzt aufsuchen sollten, denn sie könnten auf gefährliche Veränderungen im Gehirn, an den Blutgefäßen oder am Rückenmark hinweisen:
- Plötzlich auftretende, sehr starke Kopfschmerzen: Häufig als „die schlimmsten Kopfschmerzen im Leben“ beschrieben. Sie können Anzeichen für eine Hirnblutung oder einen anderen ernsten medizinischen Notfall sein.
- Nackensteifigkeit mit Fieber oder Bewusstseinsstörungen: Diese Kombination kann auf eine Meningitis (Hirnhautentzündung) hinweisen und ist ein akuter Notfall.
- Sehstörungen: Dazu gehören verschwommenes Sehen, Doppeltsehen oder plötzlich auftretende Einschränkungen bis hin zum Sehverlust, insbesondere in Kombination mit Kopf- und Nackenschmerzen.
- Schwäche, Taubheitsgefühle oder Sprachstörungen: Plötzliche Veränderungen von Beweglichkeit, Gefühl, Gleichgewicht oder Sprache können einen Schlaganfall oder Nervenschäden anzeigen.
- Bewusstlosigkeit oder Krampfanfälle: In diesen Fällen muss sofort ein Notarzt verständigt werden.
- Starke Schmerzen nach frischer Verletzung: Schmerzen nach Unfall oder Sturz sollten rasch ärztlich abgeklärt werden, um Knochenbrüche oder innere Blutungen auszuschließen.
Auch wenn Ihre Beschwerden eher mild erscheinen, sollten Sie im Zweifelsfall immer ärztlichen Rat einholen, besonders wenn Sie das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt.
Müssen immer bildgebende Untersuchungen gemacht werden?
Viele Menschen sorgen sich, ob sie eine Röntgenaufnahme, eine CT oder eine MRT benötigen, wenn Nacken- und Kopfschmerzen auftreten. Doch in den meisten Fällen ist das nicht sofort notwendig, vor allem dann nicht, wenn keine Alarmzeichen vorliegen und die Schmerzen nicht sehr stark sind. Ärzte empfehlen erst dann bildgebende Verfahren, wenn bestimmte Risikofaktoren auftreten:
- Aktuelle schwere Verletzung (z. B. Unfall, Sturz aus großer Höhe)
- Hinweise auf Nervenbeteiligung wie Schwäche oder Taubheitsgefühl in Armen oder Beinen
- Unerklärlicher Gewichtsverlust, Nachtschweiß oder bekannte Krebserkrankung
- Anhaltendes Fieber oder andere Infektzeichen
- Neu aufgetretene, starke oder zunehmende Kopfschmerzen – besonders bei älteren Menschen
Liegen keine dieser Merkmale vor, raten Hausärzte meist erst zu einer Beobachtung, eventuell Physiotherapie oder leichter Schmerzlinderung. Bildgebende Untersuchungen kommen dann ins Spiel, wenn die Beschwerden nicht besser werden oder eine ernste Ursache vermutet wird. Untersuchungen „auf Verdacht“ sind hingegen nicht ratsam, da sie häufig Veränderungen entdecken, die die Symptome nicht erklären und eher zu Unsicherheit oder unnötigen Behandlungen führen können.
Es ist wichtig, nicht auf bildgebende Verfahren „zur Sicherheit“ zu bestehen, da überflüssige Untersuchungen harmlose Veränderungen aufdecken können, die die Beschwerden nicht erklären, und damit Unsicherheit oder unnötige Maßnahmen auslösen.
Vorgehen: Welchen Arzt sollten Sie konsultieren?
Bei Nackenschmerzen mit Kopfschmerzen empfiehlt es sich meistens, zuerst den Hausarzt oder die Hausärztin bzw. Ihren Familienarzt aufzusuchen. Dort wird
- Ihre Krankengeschichte aufgenommen und eine gründliche körperliche Untersuchung durchgeführt
- Gezielt nach Warnzeichen gesucht
- Ggf. eine erste Behandlung eingeleitet oder die Überweisung an einen Spezialisten veranlasst
Je nach Vermutung kann Ihr Hausarzt Sie überweisen an:
- Neurologe: Bei Verdacht auf Migräne, Nervenbeteiligung oder andere neurologische Beschwerden
- Orthopäde: Bei Anzeichen für Probleme an der Wirbelsäule, Gelenken oder Bandscheiben
- Physiotherapeut: Um Haltung und Bewegungsabläufe zu verbessern oder sanfte Übungen zu erlernen
- Schmerzspezialist: Wenn chronische Schmerzen auf übliche Therapien nicht ansprechen
Im akuten Notfall – also bei plötzlichen starken Kopfschmerzen, Bewusstlosigkeit oder deutlichen neurologischen Ausfällen – wählen Sie bitte sofort den Notruf oder suchen Sie direkt die nächste Notaufnahme auf.
Was können Sie selbst zu Hause tun?
Sind Ihre Symptome mild und besteht kein akuter Behandlungsbedarf, können Sie folgende Maßnahmen ausprobieren, um sich selbst Linderung zu verschaffen:
- Schonung und Haltung: Meiden Sie Bewegungen, die Ihre Schmerzen verschlechtern könnten. Achten Sie im Alltag, am Computer oder Smartphone auf eine aufrechte, entspannte Körperhaltung.
- Sanfte Bewegung: Ist keine akute Verletzung der Auslöser, helfen oft leichte Dehnübungen und vorsichtige Drehbewegungen, Steifigkeit zu vermeiden.
- Schmerzlinderung: Geeignete Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen können Beschwerden lindern – bitte nehmen Sie diese nur nach Packungsbeilage und falls keine Gegenanzeigen bestehen.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Schlaf: Trinken Sie regelmäßig und gönnen Sie sich Erholung.
- Symptomtagebuch: Notieren Sie, wann die Schmerzen beginnen, was sie besser oder schlechter macht und ob weitere Symptome (z. B. Übelkeit, Sehstörungen, Schwäche) auftreten.
Beachten Sie dabei ganz besonders:
- Verschlimmern sich die Schmerzen deutlich oder breiten sie sich aus?
- Treten neue neurologische Ausfälle auf?
- Kommen Fieber, unerklärlicher Gewichtsverlust oder Nachtschweiß hinzu?
- Wecken Sie die Kopfschmerzen aus dem Schlaf oder treten sie jeden Morgen auf?
Sollten Sie eines dieser Symptome bemerken oder sich unsicher fühlen, suchen Sie bitte einen Arzt auf und holen Sie sich individuellen Rat.
Wenn Ihnen eine MRT-Untersuchung empfohlen wird, kann es hilfreich sein zu wissen, was Sie erwartet und wie die Ergebnisse genutzt werden. In unserem ausführlichen Leitfaden erfahren Sie alles Wichtige rund um den Ablauf einer MRT und die Interpretation der Befunde: Was Sie von einer MRT-Untersuchung erwarten können.
Nackenschmerzen in Kombination mit Kopfschmerzen resultieren meist aus Verspannungen, Haltungsschäden oder leichten Verletzungen. Dennoch ist es wichtig, die Warnzeichen zu kennen, mit denen eine ernstere Ursache verbunden sein könnte. Oft reichen Beobachtung und einfache Maßnahmen – aber wenden Sie sich an Ihren Arzt, wenn Sie sich unsicher fühlen oder die Beschwerden nicht nachlassen. Im Zweifelsfall gilt: Lieber einmal mehr als einmal zu wenig Rat einholen. So sorgen Sie bestmöglich für Ihre Gesundheit.
