Blutuntersuchungen sind ein unverzichtbarer Bestandteil der medizinischen Diagnostik und liefern Ärztinnen und Ärzten wesentliche Hinweise auf Ihren Gesundheitszustand. Für viele Patientinnen und Patienten ist das Warten auf die Ergebnisse mit Unsicherheit und vielen Fragen verbunden. Wenn Sie wissen, worauf Ihr Arzt bei der Auswertung achtet – und was die einzelnen Werte bedeuten könnten –, können Sie aktiv zu Ihrer Gesundheitsversorgung beitragen.
In diesem Artikel erfahren Sie, warum Blutuntersuchungen durchgeführt werden, auf welche Werte zunächst geachtet wird, wie Abweichungen interpretiert werden und welche Schritte empfohlen werden können, wenn ein Wert außerhalb des Normbereichs liegt.
Blutuntersuchungsergebnisse erklärt: Was Ärzte zuerst überprüfen
Blutuntersuchungen erfüllen zahlreiche Aufgaben in der medizinischen Versorgung. Sie können im Rahmen von Routine-Checks, zur Diagnosestellung oder zur Überwachung bestimmter Erkrankungen verordnet werden. Die Ergebnisse helfen dabei, ein Gesamtbild Ihrer aktuellen Gesundheit zu erstellen.
- Diagnose: Blutuntersuchungen können Aufschluss über Infektionen, Blutarmut (Anämie), Diabetes und viele andere Erkrankungen geben.
- Überwachung: Bei chronischen Erkrankungen werden regelmäßig Blutwerte kontrolliert, um den Krankheitsverlauf und die Wirksamkeit einer Therapie zu überprüfen.
- Prävention: Bereits frühzeitig können Risikofaktoren wie erhöhter Cholesterin- oder Blutzucker erkannt und behandelt werden.
- Organfunktion: Tests helfen dabei, die Funktion von Organen wie Leber, Nieren oder Herz zu beurteilen.
- Symptombeurteilung: Bei unklaren Beschwerden wie Müdigkeit oder unerklärlichem Gewichtsverlust können Blutuntersuchungen eine Ursache aufdecken.
Welche Blutwerte geprüft werden, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt je nach Ihren Beschwerden, Ihrer Vorgeschichte und dem individuellen Behandlungsbedarf.
Wichtige Laborwerte: Worauf Ärzte bei den Ergebnissen zuerst achten
Ein Blutbild umfasst zahlreiche Parameter, doch einige Werte werden meist besonders genau angesehen, da sie bereits wichtige Hinweise liefern und weitere Untersuchungen lenken können:
- Großes Blutbild (CBC): Erfasst die Anzahl der roten und weißen Blutkörperchen, Hämoglobin, Hämatokrit und Blutplättchen. Auffälligkeiten deuten auf Infektionen, Blutarmut oder Bluterkrankungen hin.
- Basis-Stoffwechselprofil (BMP): Hier werden unter anderem Blutzucker, Kalzium, Elektrolyte (wie Natrium, Kalium, Chlorid) sowie Nierenwerte (Kreatinin, Harnstoff) bestimmt.
- Leberwerte (LFTs): Enzyme und Substanzen wie ALT, AST, ALP oder Bilirubin geben Einblick in die Lebergesundheit.
- Lipidprofil: Bestimmt Cholesterin und Triglyzeride – wichtige Faktoren zur Beurteilung des Herz-Kreislauf-Risikos.
- Schilddrüsenfunktion: Hormonwerte wie TSH, T3 und T4 zeigen, wie die Schilddrüse arbeitet.
- Entzündungsmarker: CRP oder BSG können auf Entzündungen oder Infektionen im Körper hinweisen.
Wie werden die Werte interpretiert?
Ärztinnen und Ärzte betrachten bei den Ergebnissen nicht nur Einzelfälle, sondern suchen nach Mustern und Zusammenhängen. Eine einzelne Abweichung muss noch nicht besorgniserregend sein – doch mehrere auffällige Werte können auf eine Erkrankung hindeuten. Auch Alter, Geschlecht, begleitende Medikamente und Vorerkrankungen werden bei der Beurteilung der Blutwerte stets mit einbezogen.
Was bedeuten abweichende Blutwerte?
Ein einzelner Wert außerhalb des Referenzbereichs wirkt alarmierend, ist aber nicht immer ein Hinweis auf eine Krankheit. Akute Infekte, Stress, Ernährung, körperliche Belastung oder sogar der Zeitpunkt der Blutentnahme können Einfluss auf die Laborwerte nehmen.
- Erhöhte weiße Blutkörperchen: Häufig Zeichen einer Infektion, Entzündung oder – seltener – einer Bluterkrankung.
- Niedriges Hämoglobin oder Erythrozyten: Spricht meist für eine Blutarmut, ausgelöst z. B. durch Eisenmangel, Blutverlust oder chronische Erkrankungen.
- Hoher Blutzucker (Glukose): Kann auf Diabetes oder Prädiabetes hindeuten, aber auch nach dem Essen oder bei Stress kurzfristig steigen.
- Abweichende Leberwerte: Mögliche Ursachen sind eine Leberentzündung (Hepatitis), Fettleber, Alkoholkonsum, Medikamente oder andere Lebererkrankungen.
- Hohe Cholesterinwerte: Erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, werden aber auch durch genetische Faktoren und Lebensstil beeinflusst.
- Störungen der Elektrolyte: Können auf eine Austrocknung, Nierenerkrankungen oder bestimmte Medikamente zurückgehen.
- Anormale Schilddrüsenhormone: Weisen auf eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse hin, was sich auf Stoffwechsel und Energiehaushalt auswirkt.
Blutwerte liefern wichtige Hinweise, ersetzen aber nie den ärztlichen Gesamtüberblick. Ihr Arzt interpretiert die Ergebnisse immer im Zusammenhang mit Ihrer Vorgeschichte und aktuellen Symptomen.
Wie geht es nach auffälligen Werten weiter?
Wenn bei Ihrer Blutuntersuchung Werte außerhalb des Normbereichs festgestellt werden, schlägt Ihr Arzt je nach Höhe, Relevanz und Gesamtbild folgende Schritte vor:
- Kontrolluntersuchung: Oft werden auffällige Werte nach kurzer Zeit erneut überprüft, um festzustellen, ob die Veränderungen von Dauer sind.
- Weitere Diagnostik: Zusätzliche Labortests oder bildgebende Verfahren (z. B. Ultraschall, Röntgen) helfen dabei, die Ursache näher einzugrenzen.
- Lebensstilempfehlungen: Bei leichten Abweichungen können bereits Änderungen bei Ernährung, Bewegung oder Stressmanagement hilfreich sein.
- Medikamentenanpassung: Eine laufende Medikation wird gegebenenfalls neu dosiert oder umgestellt.
- Überweisung an einen Facharzt: Bei komplexeren Befunden kann die weitere Abklärung durch Spezialisten notwendig sein, etwa in der Hämatologie, Endokrinologie oder Kardiologie.
Das Gespräch mit Ihrem Arzt: Nachfragen ist erlaubt!
Gerade bei auffälligen Ergebnissen kommen viele Fragen auf. Scheuen Sie sich nicht, gezielt nachzufragen, wie die Werte einzuordnen sind, ob Handlungsbedarf besteht und welche weiteren Schritte Ihr Arzt empfiehlt. Häufig normalisieren sich einzelne Werte auch von selbst, etwa nach einem Infekt.
Sofortige ärztliche Hilfe: Wann ist sie nötig?
Bestimmte Auffälligkeiten im Blutbild bedürfen rascher Abklärung. Sollte Ihr Test Hinweise auf ein ernstes Problem ergeben, nimmt Ihr Arzt umgehend Kontakt mit Ihnen auf und vereinbart weiterführende Untersuchungen oder Therapien. Bei akuten Symptomen wie starken Brustschmerzen, Atemnot, plötzlicher Schwäche oder Bewusstseinsstörungen sollten Sie jedoch unabhängig von Ihren Laborwerten sofort den ärztlichen Notdienst aufsuchen.
Tipps zum Umgang mit Ihren Blutwerten
- Unterlagen aufbewahren: Fordern Sie Ihre Ergebnisse an und archivieren Sie sie für Nachkontrollen.
- Verlauf beobachten: Achten Sie insbesondere auf Veränderungen im Zeitverlauf – Trends geben mehr Hinweise als Einzelwerte, gerade bei chronischen Erkrankungen.
- Medikamente und Präparate dokumentieren: Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, da diese die Ergebnisse beeinflussen können.
- Verständnis schaffen: Fragen Sie bei Unklarheiten bei Ihren Ergebnissen unbedingt nach – Ihr Arzt erklärt Ihnen gern, was die Werte bedeuten.
- Keine Panik: Viele zunächst auffällige Ergebnisse sind harmlos und erfordern keine Behandlung. Ihr Arzt berät Sie individuell zu weiteren Schritten.
Wenn Sie eine umfassende Kontrolluntersuchung wünschen, empfiehlt sich ein Blick auf unseren Artikel rund um den Ablauf eines jährlichen Gesundheits-Check-ups – und wie Blutuntersuchungen darin eingebettet sind.
Fazit
Blutuntersuchungen sind ein wertvolles Instrument, um Ihre Gesundheit zu beurteilen und zu schützen. Sie liefern zahlreiche Informationen – doch die richtige Interpretation und Gewichtung erfordert medizinische Erfahrung. Die meisten Abweichungen in den Werten sind kein Notfall und lassen sich gut behandeln. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt über Ihre Ergebnisse und nehmen Sie sie als Gelegenheit, Ihre Gesundheit aktiv mitzugestalten.






